31. Mai 2012
Erbschaftswelle in historischem Ausmaß rollt auf Deutschland zu - Jeder Zweite plant Nachlass

Erbschaften von mindestens 100.000 Euro steigen um 50 Prozent - Die Chance, ein Eigenheim zu erben, verdoppelt sich

57 Prozent der Deutschen haben sich schon damit beschäftigt, etwas zu vererben. Und in zwei von drei Fällen sollen Immobilien im Nachlass enthalten sein. Künftig hat schon mehr als jede fünfte Erbschaft einen Wert von 100.000 Euro und mehr.

Dies sind Kernergebnisse einer bundesweit repräsentativen Studie der Postbank, die heute in Berlin vorgestellt wurde. „Das Erbvolumen wird drastisch und auf ein historisches Niveau steigen“, erklärt Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. So hatte die Postbank im vergangenen Jahr ermittelt, was in Deutschland bislang an Erbschaften vergeben wurde. Durch die neue Studie ist jetzt der Vergleich mit dem möglich, was die Deutschen künftig als Nachlass planen. „Um gut 50 Prozent steigen die Erbschaften, die einen Wert von 100.000 Euro und mehr haben“, resümiert Meyer aus diesem Vergleich. „Umgekehrt stehen Nachlässe im Wert unter 25.000 Euro, die bislang die Hälfte aller Erbfälle ausmachten, nur noch fast ein Viertel so häufig an.“

Immobilienvermögen ist die treibende Kraft

Wesentlicher Treiber für das drastisch steigende Erbvolumen sind Immobilien. Laut Postbank Studie werden Häuser, Grundstücke oder Wohnungen zukünftig in zwei von drei Nachlässen enthalten sein. „Die Wahrscheinlichkeit, ein Eigenheim zu erben, wird sich in Deutschland glatt verdoppeln“, erläutert Meyer. Zahlen aus amtlichen Statistiken stützen dies. So wird sich das Netto-Immobilienvermögen der ab 65-jährigen Deutschen in den kommenden 18 Jahren verdoppeln.

Verheiratete, Beamte, Selbstständige und Bewohner von Kleinstädten sind besonders vererbungsfreudig

Unter denen in Deutschland, die sich mit dem Vererben beschäftigen, sind überdurchschnittlich oft Verheiratete, Beamte, Selbstständige sowie Bewohner von Orten unter 20.000 Einwohnern. Erklärbar ist das durch den hohen Anteil von Immobilienbesitzern in diesen Bevölkerungsgruppen. So zeigen die Ergebnisse der Postbank Studie, dass acht von zehn aller Immobilienbesitzer in Deutschland Vererbungspläne haben. Das Flächenland Bayern hat dabei von allen Bundesländern den höchsten Anteil von Menschen mit Vererbungs-Plänen.

Neben Kindern sollen Ehegatten am häufigsten begünstigt werden

Exakt drei Viertel aller Erbschaften werden für die Kinder der Erbschafts-Geber geplant. An zweiter Stelle stehen Ehegatten mit 37 Prozent als Nachlass-Empfänger, gefolgt von Enkelkindern, Geschwistern und Lebenspartnern. Häufigstes Motiv für die Vergabe einer Erbschaft ist dabei, „Angehörige zu versorgen“. Erst an zweiter Stelle steht die Absicht, hiermit bestimmten Menschen „eine Freude machen zu wollen“.

Berliner Testament ist weit verbreitet

Genau 18 Prozent der Deutschen ab 16 Jahre haben laut Postbank-Studie ein Testament. Unter denen, die sich mit dem Vererben schon beschäftigt haben, sind es 31 Prozent. Bemerkenswert ist hierbei: Jedes zweite Testament in Deutschland ist ein so genanntes Berliner Testament. In diesem Fall wird der jeweils überlebende Ehegatte zum Alleinerben eingesetzt. Jeder Fünfte überprüft sein Testament regelmäßig und immerhin jeder Achte (13 Prozent) hat sein Testament auch schon mindestens ein Mal geändert.

Streitpotenzial unter Erben wird unterschätzt

Bei bisherigen Erbschaften in Deutschland kam es unter den Erben in 17 Prozent der Fälle zum Streit. Die neue Postbank Studie zeigt, dass die Deutschen mit Vererbungsplänen davon ausgehen, dass es unter den Erben nur etwa halb so oft zum Streit kommt. Dies sehen die potenziellen Erben anders: 26 Prozent der anstehenden Erben rechnen mit einem Erbenstreit. Meyer: „Die Empfänger künftiger Erbschaften gehen zweieinhalb mal häufiger von einem Erbschaftsstreit aus als dies die Erbschaft-Geber tun. Hier besteht offensichtlich großer Gesprächsbedarf.“ Hier sprechen die Zahlen der Studie jedoch eine andere Sprache: Denn mehr als die Hälfte aller Menschen mit Vererbungsplänen hat noch nie mit den vorgesehenen Erben darüber gesprochen.

Erbvermögen ballt sich

Die Postbank Studie zeigt auch Unterschiede, die sich ergeben, wenn Personen mit Vererbungs-Plänen selbst bereits einmal Erbe waren. So schätzten diese Menschen ihren Nachlass fast doppelt so häufig auf einen Wert von 100.000 Euro und mehr wie die Menschen, die noch nie geerbt haben. Zudem besitzen drei Viertel von ihnen Immobilien. Unter allen Deutschen ist das nur zu 46 Prozent der Fall. „Unsere Studie zeigt, dass sich Vermögen durch Erbschaften sehr wohl ballt“, so Meyer. Durch die große Anzahl der Deutschen, die etwas vererben wollen, werden diese Fälle insgesamt aber nicht das Gros der künftigen Erbschaften ausmachen. Meyers Gesamtfazit: „Wir sehen in Deutschland einen starken Gegensatz. Die Erbvolumen werden insbesondere durch Immobilien immer größer. Doch längst nicht in gleichem Maße ist das Wissen zum Thema da. Hier ist angesichts der gewaltigen Nachlass-Welle deshalb eine Informationskampagne nötig.“

Grundlage der Postbank Studie war die Befragung von 1613 Bundesbürgern ab 16 Jahren durch das Institut für Demoskopie Allensbach im März 2012.

25. April 2012
Studie zum Gesundheitswandern: Wirksamkeit deutlicher als erwartet

Bislang war es eine Vermutung. Jetzt ist wissenschaftlich belegt: Gesundheitswandern ist gesund. Schon nach einer vergleichsweise kurzen Phase, in der Menschen sich regelmäßig bewegen, verringern sich Körpergewicht, Body Mass Index, Blutdruck und Körperfett signifikant. Auch die Ausdauerleistungsfähigkeit und Koordinationsfähigkeit werden verbessert. 

Gesundheitswandern nach dem zertifizierten Konzept des Deutschen Wanderverbandes verringert die Hauptrisikofaktoren für die Gesundheit deutlich. Das ist ein Ergebnis der vom Deutschen Wanderverband (DWV) initiierten und unter Leitung von Professor Kuno Hottenrott vom Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung e.V. (ILUG) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführten Studie zum Gesundheitswandern. Untersucht wurden neben einer Reihe von gesundheitsbezogenen Parametern, die Entwicklung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie das Wohlbefinden von Personen, die sieben Wochen regelmäßig an so genannten Gesundheitswanderungen teilnahmen. Diese Gesundheitswanderungen sind durch physiotherapeutische Übungen aufgelockerte Wanderungen, die von eigens dafür zertifizierten Gesundheitswanderführern angeboten werden. Die Ergebnisse der aktiven Gruppe verglich Hottenrott mit den Untersuchungen an einer Personengruppe, die nicht gewandert war.

Die aktive Gruppe verbesserte im Untersuchungszeitraum nicht nur die Ausdauerfähigkeit, sondern auch Koordination, Blutdruck und köperbezogene Daten wurden positiv durch das Wandern beeinflusst. Der Body Mass Index (BMI), der die Relation des Körpergewichts eines Menschen zu seiner Körpergröße angibt und das Körpergewicht nahmen signifikant ab. Bei Studienbeginn lag das Gewicht im Schnitt bei 91,8 Kilo, am Ende waren es im Mittel 1, 3 Kilo weniger. Annika Lösche aus dem Forscherteam um Hottenrott ergänzt: „In der Kontrollgruppe hatte sich hier nichts getan.“

Dem Wissenschaftler zufolge war auch die Verringerung des Blutdrucks in der Wandergruppe so deutlich nicht zu erwarten. Hottenrott: „Der systolische Wert fiel durchschnittlich von 151 auf 142, der diastolische Wert von 92 auf 84. Diese Veränderung hat positive Wirkungen auf die Gesundheit.“ 

Ein Wert, in den ganz unterschiedliche Faktoren eingehen, ist der Walking Index. Berücksichtigt werden u.a. das Alter der Probanden, ihr BMI sowie die Herzfrequenz nach einer exakt definierten Belastung. Für die Untersuchung mussten die Probanden 2.000 Meter walken. Frauen mit einer Geschwindigkeit von sechs und Männer in einer Geschwindigkeit von sieben Kilometer pro Stunde. Der Walking Index veränderte sich in der aktiven Gruppe im Durchschnitt von 70,1 auf 75,1. „Das ist hoch signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe“, sagt Hottenrott. Einfluss auf das Ergebnis hatte vor allem die Abnahme der Herzfrequenz. Für das gleiche Wandertempo verringerte sich der Wert von 131 auf 122 Schläge pro Minute.  Nicht zuletzt bemerkt der Forscher, dass sich den Untersuchungsergebnissen zufolge auch das Anstrengungsempfinden deutlich zum Positiven verändert hat. Das heißt, dass dieselbe Belastung nach der Intervention als weniger anstrengend empfunden wird. Auch dieses Ergebnis ist statistisch belegt. In der Kontrollgruppe änderte sich das Anstrengungsempfinden nicht.

Annika Lösche freut es, dass den Wanderern die Studie offenbar auch Spaß gemacht hat und sie weiter aktiv bleiben wollen. „Als die Probanden für die vorerst letzten Untersuchungen zu uns kamen, haben eigentlich alle gestrahlt. Die waren zufrieden und wollen als Gruppe künftig weiterwandern“, sagt sie.      

Unterm Strich ist Studienleiter Hottenrott von der Wirksamkeit des Gesundheitswanderns überzeugt: „Die Wanderungen sind eine wirklich erfolgreiche Intervention.“ Zudem beweise die Studie, dass die Gesundheitswanderkurse die Kernziele des Präventionsprinzips „Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität“ des Paragraph 20 SGB V erreichen.

Das Studienergebnis will die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbandes, Ute Dicks, daher zum Anlass nehmen, Gespräche mit dem Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen, um die Möglichkeiten der Anerkennung des „Zertifizierten Gesundheitswandern“ als Primärpräventionsleistung gemäß Paragraph 20 SGB V auszuloten. 

Das Konzept und die Ausbildung zum zertifizierten Gesundheitswandern haben der Deutschen Wanderverband (DWV) und die Fachhochschule Osnabrück, Fachbereich Physiotherapie, vor rund zwei Jahren entwickelt. Begleitet wurde die Entwicklung u.a. durch einen Fachbeirat aus Experten, wie dem Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten, (IFK), dem Deutschen Heilbäderverband, dem AOK Bundesverband und Wanderexperten. Mit der vorliegenden Untersuchung ist der gesundheitliche Nutzen nun erstmals auch wissenschaftlich nachgewiesen.

18. April 2012
Arm ist nicht gleich arm

Je nach Statistik gelten zwischen 13 und 15 Prozent der Bundesbürger über 25 Jahren als einkommensarm, das heißt, sie verdienen weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettohaushaltseinkommens – für Alleinstehende liegt dieser Wert aktuell bei gut 900 Euro. Doch diese Menschen müssen nicht unbedingt arm im klassischen Sinne sein.

Wenn mindestens jeder sechste einkommensarme Erwachsene besitzt ein hinreichend hohes Vermögen – sei es in Form von Aktien, Sparbüchern oder Immobilien –, um damit mindestens zehn Jahre ausreichend leben zu können. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, das anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels und der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe eine kombinierte Betrachtung von Einkommen und Vermögen vorgenommen hat.

(Quelle: iwkoeln.de)

31. Januar 2012
Initiative Arbeit 50Plus: Führungsstil mitverantwortlich für die Entstehung von Mobbing

Mobbing ist einer Studie von Organisationspsychologen der Freien Universität Berlin zufolge ein Gruppenphänomen. Wie Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo vom Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität erstmals empirisch belegten, beruht die Wahrnehmung von Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einzelner Personen; es tritt in betroffenen Abteilungen objektivierbar gehäuft auf. Die Ergebnisse wurden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herausgegeben.

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Mobbing spielt den weiteren Ergebnissen zufolge der Führungsstil von Vorgesetzten. So trete das Phänomen seltener in Abteilungen auf, in denen sich die Führungskräfte gesprächsbereit zeigten und Mitarbeitern bei den für sie relevanten Entscheidungen ein Mitspracherecht hätten. In diesen Abteilungen sei zudem die allgemeine Arbeitszufriedenheit höher.

Als unerwartet hoch erwies sich der Studie zufolge die Rate von Depression unter Mobbing-Betroffenen. So müsse von einem Anstieg der Chance für Depression um mehr als das Doppelte ausgegangen werden, wenn Mobbing vorliege, hieß es. Zwar könne auf der Basis dieses Zusammenhanges noch nicht auf eine Wirkrichtung von Mobbing zu Depression geschlossen werden, und es gebe weiteren Forschungsbedarf, betonten die Autoren. Dennoch sei es ratsam, bei Anzeichen für Mobbing zu klären, ob Betroffene depressiv seien.

Zwei Verfahren ausgewertet

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler die Antworten von mehr als 4.300 Beschäftigten zweier Landesbehörden verschiedener Bundesländer aus einer Online-Befragung aus. Die Autoren verglichen für ihre Analyse jene beiden Verfahren, die im deutschsprachigen Raum bei der Erhebung im Zusammenhang mit Mobbing bevorzugt Verwendung finden. In einem der Verfahren werden Teilnehmer gemäß der Methode des sogenannten “Leymann Inventory of Psychic Terrorization” (LIPT) gefragt, welche unsozialen Verhaltensweisen sie gegenwärtig erleben. Im anderen Verfahren sollen sie angeben, ob sich als Mobbing-Opfer einstufen. Eine Auswertung nach der LIPT-Methode ergab, dass jeder fünfte Teilnehmer der Studie von Mobbing betroffen war. Dagegen bezeichneten sich lediglich vier Prozent als Mobbingopfer.

Beim Vergleich der beiden Erhebungsmethoden erwies sich den Ergebnissen zufolge das LIPT-Verfahren als besser geeignet, um die Ursachen und möglichen Folgen von Mobbing zu erkennen. Die Selbsteinstufung allein schätzen die Autoren als weniger gut geeignet ein, sie könne jedoch einer zusätzliche Überprüfung dienen.

Die Studie ist als Download auf der Internetseite der BAuA verfügbar.

12 Milionen Menschen in der EU betroffen

EU-weit sind nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz etwa zwölf Millionen Menschen von Mobbing betroffen. Für Deutschland geht die BAuA in ihrem Mobbing-Report von rund 1,5 Millionen Beschäftigten aus, die an ihrem Arbeitsplatz gemobbt werden.

Für Beschäftigte und Führungskräfte, die Rat oder Hilfe zum Thema Mobbing suchen, bietet die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) eine Übersicht über bundesweite Beratungsstellen.

Liked posts on Tumblr: Mehr Favoriten »